Fünfzehn Minuten frei reden, vor zwei Leuten, die dich bewerten, und das in drei Fächern. In Mathe ohne eine einzige Minute Vorbereitung. Wenn dir genau davor graut, bist du nicht allein. Frei sprechen kann man aber üben, und dieser Beitrag zeigt dir, wie.

Die mündlichen Prüfungen kommen nach den schriftlichen deiner Session. Die genauen Daten findest du auf der Seite zur Passerelle.

Kurz zusammengefasst:

  • Drei mündliche Prüfungen: Deutsch, zweite Sprache und Mathe, je 15 Minuten; in Deutsch und der zweiten Sprache nach 15 Minuten Vorbereitung, in Mathe sofort.1
  • Jede mündliche Prüfung zählt die Hälfte der Fachnote.2
  • Üben musst du vor allem, mit ein paar Stichworten laut zu erklären, unter Zeitdruck und während jemand nachfragt. Fang etwa 16 Wochen vor deiner ersten schriftlichen Prüfung damit an und mach pro Fach eine Runde pro Woche.

So läuft die mündliche Prüfung an der Passerelle ab

An der Passerelle haben drei der fünf Fächer eine mündliche Prüfung: Deutsch, die zweite Sprache und Mathe.2 In Naturwissenschaften sowie Geschichte und Geografie wirst du nur schriftlich geprüft.2

FachDauerWas passiert
Deutsch115 Min., davor 15 Min. VorbereitungTextauszug aus einem Werk deiner Session
Zweite Sprache115 Min., davor 15 Min. VorbereitungAusschnitt aus deinen Werken, dann Gespräch
Mathe115 Min.keine Vorbereitungszeit, du legst sofort los

Die mündliche Note zählt halb: Deine Fachnote ist der Durchschnitt aus schriftlicher und mündlicher Note, auf eine halbe Note gerundet.2 Mit 4.0 im Schriftlichen und 5.5 im Mündlichen hast du zum Beispiel eine 5.0 im Fach.3 Eine gute mündliche Prüfung zieht also die ganze Fachnote hoch.

Die mündliche Note legt deine Prüferin oder dein Prüfer zusammen mit einer Expertin oder einem Experten fest.2

Die zentrale Prüfung beim SBFI, der zuständigen Bundesstelle, legst du ab, wenn du allein oder in einem Kurs an einer privaten Vorbereitungsschule lernst.4, 3 In der deutschsprachigen Session hast du dort alle mündlichen Prüfungen an einem halben Tag, und deinen genauen Plan bekommst du zwei bis drei Wochen vor der Session.5 Im Passerellen-Lehrgang, einem einjährigen Kurs mit Prüfung an der Schule, prüft die Schule nur die Leute aus ihrem eigenen Kurs und legt auch den Tag fest.2 Zu Beginn des Kurses bestimmt sie ausserdem die Deutsch-Werke und die Literaturliste, die sonst das SBFI vorgibt.1

Deutsch: ein Auszug aus den Werken deiner Session

Für jede Session sind drei bis vier Werke aus drei literarischen Epochen festgelegt.1 In der Prüfung bekommst du einen Auszug aus einem davon, bereitest dich 15 Minuten vor und analysierst ihn dann, deutest ihn und ordnest ihn im Werk ein; auch Fragen zu den anderen Werken sind möglich.1

Bewertet wird vor allem Folgendes:1

  • Du verstehst den Text: Inhalt, Aufbau, Hauptthemen und Motive, und du erkennst, was wichtig ist.
  • Du beschreibst Sprache und Form: die wichtigsten Stilmittel, bei Gedichten das Versmass, und wie sie wirken.
  • Du sagst, wer spricht oder erzählt und aus welcher Sicht.
  • Du kennst den Zusammenhang: die Epoche, den geschichtlichen Hintergrund und die Ideen und Werte des Werks.
  • Und es zählt, wie gut du dich ausdrückst und wie tief du gehst.

Bei der zentralen Prüfung wechseln die Werke jede Session.3 Welche für deine Session gelten, siehst du hier.

Die Deutsch-Werke für Winter 2027, Sommer 2027 und Winter 2028
SessionAutorin, AutorWerk
Winter 20276Mariann BühlerVerschiebung im Gestein
Winter 20276Friedrich DürrenmattDer Besuch der alten Dame
Winter 20276Theodor StormDer Schimmelreiter
Winter 20276Erika BurkartGedichte (Auswahl)
Sommer 20277Meral KureyshiIm Meer waren wir nie
Sommer 20277Daniel KehlmannLichtspiel
Sommer 20277Wolfgang BorchertDraussen vor der Tür
Sommer 20277Heinrich HeineGedichte (Auswahl)
Winter 20288Marie von Ebner-EschenbachDas Gemeindekind
Winter 20288Bertolt BrechtLeben des Galilei
Winter 20288Ralph TharayilNimm die Alpen weg
Winter 20288Marie Luise KaschnitzGedichte (Auswahl)
  1. Lies jedes Werk deiner Session, sobald die Liste da ist. Lies mit Bleistift und markiere pro Werk drei oder vier Stellen, an denen ein Thema sichtbar wird oder die Geschichte kippt. Das sind die Stellen, an denen du später übst.
  2. Mach pro Werk ein Werkblatt. Darauf kommen:
    • die Handlung in fünf Zeilen und die Hauptfiguren
    • zwei oder drei Themen und Motive
    • die Form: Gattung, Erzähler, bei Gedichten Versmass und Stilmittel
    • Epoche und Zusammenhang
    • deine markierten Stellen mit Seitenzahl
    • eine Verbindung zu einem anderen Werk der Liste, denn auch dazu kann eine Frage kommen

    Dieses Blatt ist deine Grundlage, wenn du laut übst. Was sitzen muss, also Stilmittel, Epochen, Namen der Figuren und ein kurzes Zitat pro Werk, schreibst du auf Karteikarten.

Zweite Sprache: deine Werke und das Gespräch

Als zweite Sprache wählst du beim SBFI Französisch, Italienisch oder Englisch.9 Im Lehrgang frag deine Schule, welche Sprachen sie anbietet. Deine Prüferin oder dein Prüfer wählt einen Ausschnitt aus einem deiner Werke, und du hast 15 Minuten, um dich vorzubereiten.1 Dann liest du den Ausschnitt laut vor, ordnest ihn im Werk ein, fasst das Wichtigste zusammen und beantwortest Fragen zu Inhalt und Stil, auch zu deinen anderen Werken.1 Danach führt ihr ein Gespräch über ein vorgegebenes Thema; als Einstieg dienen Fragen, Fotos, Zeichnungen, Schlagzeilen oder Thesen.1

Bewertet werden drei Dinge.1

  • Deine Sprache: korrekt, flüssig, mit breitem und genauem Wortschatz und guter Aussprache.
  • Was du über die Werke weisst: die Handlung, die Hauptfiguren im Detail, Themen und Stilmittel und, wo es passt, der historische Hintergrund.
  • Wie du ein Gespräch führst: selbst etwas einbringen, verstehen, was gefragt wird, und spontan reagieren.
  1. Wähl deine Werke vor der Anmeldung, denn dabei gibst du sie schon an.1 Für die zentrale Prüfung nimmst du mindestens drei Werke von drei verschiedenen Autorinnen oder Autoren aus der Literaturliste des SBFI, im Lehrgang aus der Liste deiner Schule.1 Es zählt nur das Original, nie eine vereinfachte Ausgabe, eine Zusammenfassung oder eine Übersetzung.1 Nimm Werke, die du in der Zeit, die du hast, wirklich lesen kannst, denn mit diesen Büchern arbeitest du bis zur Prüfung.
  2. Schreib pro Werk ein Werkblatt in der Sprache des Werks. Darauf stehen die Handlung, die Hauptfiguren mit je zwei Eigenschaften, die Themen, zwei oder drei Stilmittel mit einem Beispiel und die Zeit, in der das Werk entstanden ist. Dann übst du, eine Seite in zwei Minuten laut zusammenzufassen.
  3. Bereite das Gespräch vor. Schreib Alltagsthemen und aktuelle Themen auf, sammle die Wörter dazu auf Karteikarten und sprich zwei Minuten über ein Foto oder eine Schlagzeile, die du zufällig auswählst. Zum Programm gehört ein Grundwortschatz von 3'000 bis 4'000 Wörtern.1 Den baust du mit einer kurzen Kartenrunde jeden Tag auf.

Mündliche Matheprüfung an der Passerelle: erklären ohne Vorbereitung

Bei der zentralen Prüfung sind Formelsammlung und Taschenrechner nur im Schriftlichen erlaubt, im Mündlichen hast du also keins von beidem.1 Im Lehrgang sagt dir deine Schule, was erlaubt ist.1

In Mathe zählt besonders, wie du dich ausdrückst: klare Sprache mit genauen Fachbegriffen, schriftlich wie mündlich.1 Dazu kommen diese Punkte.

  • Begriffe, Konzepte und Techniken kennen
  • logisch begründen, Schritt für Schritt und genau
  • was du weisst, klar gegliedert darlegen
  • ein Resultat kritisch beurteilen
  1. Mach dir aus der Stoffliste eine Themenliste. Die Richtlinien 2023, in denen der Stoff jedes Fachs steht, teilen Mathe in vier Gebiete: Algebra, Analysis, Geometrie mit Vektoren und Stochastik.1 Schreib pro Thema eine Zeile, dann hast du die Liste, aus der du übst.
  2. Mach zu jedem Thema eine Karte: die Definition in deinen Worten, warum es funktioniert, ein Beispiel. Dazu kommen die Formeln, die du auswendig können musst. So entsteht ein Kartenstapel, den du laut durchgehst, ohne abzulesen.
  3. Erklär eine gelöste Aufgabe laut und ohne Notizen. Nimm eine Aufgabe aus deinem Lehrmittel oder aus einer alten Prüfung vor Sommer 2023, deren Thema noch auf der Stoffliste steht.4 Die Aufgaben früherer Sessionen der zentralen Prüfung liegen beim SBFI in einem passwortgeschützten Archiv, auf das alle zugreifen dürfen, die sich auf die Prüfung vorbereiten; den Zugang beantragst du über ein Onlineformular.10 Offizielle Lösungen gibt es keine.3 Die Aufgaben sind nur für dich, und das Passwort gibst du nicht weiter.11 Sag zuerst, was gegeben ist und welches Konzept dahintersteckt, geh dann jeden Schritt durch und prüf am Schluss, ob das Resultat Sinn ergibt. So gewöhnst du dich daran, laut und mit genauen Begriffen zu denken.

Laut üben, bis es sitzt

  1. Mach ab etwa 16 Wochen vor deiner ersten schriftlichen Prüfung jede Woche eine mündliche Runde pro Fach. In Deutsch nimmst du einen Auszug aus einem Werk deiner Session, bereitest ihn 15 Minuten vor und redest 15 Minuten. In der zweiten Sprache nimmst du einen Ausschnitt aus einem deiner Werke und hängst ein Gespräch an. In Mathe ziehst du ein Thema aus deiner Liste und erklärst es sofort. Der Timer läuft 15 Minuten; bei den Sprachen hast du nur einen Stichwortzettel mit Einordnung, drei Punkten und einem Beispiel, in Mathe gar nichts. Wie das in deine Wochen passt, zeigt der Passerelle Lernplan.
  2. Nimm dich mit dem Handy auf. Hör die Aufnahme einmal an und notier eine Sache, die du beim nächsten Mal anders machst. Wer ohne Unterlagen erklärt, fragt sich selbst ab, und in einer Studie wussten Leute, die sich selbst abgefragt hatten, eine Woche später mehr als jene, die den Stoff nur nochmals gelesen hatten.12
  3. Lass dir Fragen stellen. Jemand aus deiner Familie, eine Kollegin aus dem Lehrgang oder deine Lehrperson nimmt dein Werkblatt oder deine Themenliste, fragt «Warum?» und «Was wäre, wenn?» und will auch etwas zu den anderen Werken wissen. Was du nicht beantworten kannst, kommt aufs Blatt. Ist gerade niemand da, stellt dir Max, der KI-Tutor von Studyflash, per Stimme Rückfragen zu deinen eigenen Unterlagen.
  4. Zwischen den schriftlichen und den mündlichen Prüfungen übst du nur noch die drei mündlichen Fächer. In der Deutschschweizer Session hast du dafür etwa zwei Wochen; im Sommer 2027 ist es etwa eine, wenn deine zweite Sprache Französisch oder Italienisch ist.5 Die Daten stehen auf der Seite zur Passerelle. Im Lehrgang hängt es von den Daten deiner Schule ab.2 Mach jeden Tag eine Runde pro Fach, in der Reihenfolge deiner Prüfungen.

Am Prüfungstag

  1. Nutz die 15 Minuten Vorbereitung in Deutsch und der zweiten Sprache für einen Stichwortzettel.1 Lies den Auszug zweimal, halte fest, wo er im Werk steht und was er zeigt, und schreib nur Stichworte auf, so gross, dass du sie auf einen Blick lesen kannst.
  2. Sag am Anfang, welche Punkte du ansprichst. Dann redest du anhand deiner Stichworte und schaust dabei immer wieder auf. In der zweiten Sprache liest du den Ausschnitt ruhig vor, denn das Vorlesen gehört zur Prüfung.1
  3. Sag in Mathe zuerst, was die Aufgabe will, und denk dann laut, so wie du es geübt hast.
  4. Hast du eine Frage nicht verstanden, frag nach. Was du nicht weisst, sagst du offen und machst mit dem weiter, was du weisst und was damit zusammenhängt. Ist dein Kopf leer, atmest du durch, schaust auf den Auszug oder die Aufgabe und fängst mit einem Beispiel neu an. Genau hier zahlt sich das Üben aus: In einer Laborstudie wussten Leute unter Stress das, was sie durch Abfragen gelernt hatten, genauso gut wie ohne Stress; was sie nur nochmals durchgelesen hatten, wussten sie unter Stress schlechter.13
  5. Mach zwischen den Prüfungen kurz Pause. Nimm Wasser mit und stell auf dem Weg in den nächsten Raum im Kopf die Sprache um.

Mündliche Prüfung üben mit Studyflash

Mit Max übst du die drei mündlichen Prüfungen laut, indem du mit ihm sprichst. Du erklärst ein Werk, eine Stelle oder ein Mathethema, und Max, der dein Material kennt, fragt auf Deutsch oder in deiner zweiten Sprache nach, so wie es jemand in einer mündlichen Prüfung tun würde.

Dafür legst du pro Fach einen Studyflash-Kurs an, also für Deutsch, die zweite Sprache und Mathe, und lädst deine Notizen und Unterlagen hoch, auch als Fotos. Studyflash macht daraus Zusammenfassungen, mit denen du dein Werkblatt und deinen Stichwortzettel anfangen kannst, und Karteikarten für Figuren, Zitate, Stilmittel und Wörter; jede Karte kommt wieder, wenn sie fällig ist.

Häufige Fragen

Jede der drei mündlichen Prüfungen in Deutsch, zweiter Sprache und Mathe dauert 15 Minuten.1 In Deutsch und der zweiten Sprache bekommst du davor 15 Minuten zur Vorbereitung, in Mathe legst du sofort los.1 Bei der zentralen Prüfung in der Deutschschweizer Session hast du alle drei an einem halben Tag.5

Die Hälfte der Fachnote in Deutsch, zweiter Sprache und Mathe: Schriftliche und mündliche Note werden gemittelt und auf eine halbe Note gerundet.2 Aus 4.0 im Schriftlichen und 5.5 im Mündlichen wird so eine 5.0.3 Naturwissenschaften sowie Geschichte und Geografie haben keine mündliche Prüfung.2

Auf der Literaturliste des SBFI stehen Werke für Französisch, Italienisch und Englisch.9 Für die zentrale Prüfung wählst du daraus mindestens drei Werke von drei verschiedenen Autorinnen oder Autoren.1 Es zählt nur das Original, keine vereinfachte Ausgabe, Zusammenfassung oder Übersetzung.1 Bei der Anmeldung gibst du für jedes Werk Autor, Titel, Datum der Erstveröffentlichung und deine Ausgabe an.1 Wiederholst du die Prüfung, darfst du dieselben Werke behalten.3 Im Passerellen-Lehrgang gilt die Liste deiner Schule.1

Atme durch, schau auf den Auszug oder die Aufgabe und fang mit einem Beispiel oder der Definition neu an. Was du nicht weisst, sagst du offen und machst mit dem weiter, was damit zusammenhängt. Nachfragen, wenn du eine Frage nicht verstanden hast, ist völlig in Ordnung. Und je öfter du vorher laut geübt hast, desto seltener bleibt der Kopf leer.

Mit Max, dem KI-Tutor von Studyflash, übst du mit deinem eigenen Material laut und per Stimme. Du lädst deine Notizen, Werkblätter und Unterlagen hoch, erklärst ein Werk oder ein Mathethema, und Max stellt dir Rückfragen wie in einer mündlichen Prüfung. Aus denselben Unterlagen macht Studyflash Karteikarten für Figuren, Zitate und Wörter, und legt fest, wann eine Karte wiederkommt.

Quellen

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