Der Stoff eines ganzen Studiums in einem Examen, und dazu die Sorge, dass du alles verstanden hast und es trotzdem nicht in einer Klausur auf Zeit aufs Papier bringst. So geht es fast allen, die sich aufs Staatsexamen vorbereiten. Hier liest du, wie du jedes Rechtsgebiet so lernst, dass es sitzt, und wie du Klausuren übst, bis sie sich wie Routine anfühlen.

Einen bundesweiten Termin gibt es nicht: Dein Bundesland legt die Klausurtermine fest.1 Geschrieben wird mehrmals im Jahr; deine Termine findest du auf der Seite zum Staatsexamen Jura.

Kurz zusammengefasst:

  • An jedem Lerntag arbeitest du morgens ein Thema durch und löst nachmittags Fälle dazu, die Gliederung schreibst du dabei zuerst aus dem Kopf. Vor neuem Stoff wiederholst du Karteikarten mit Definitionen, Schemata und Streitständen.
  • Ab dem ersten Monat schreibst du jede Woche eine fünfstündige Übungsklausur unter Examensbedingungen und trägst danach die Fehler aus der Korrektur in deine Fehlerliste ein.
  • Zivilrecht denkst du von der Anspruchsgrundlage aus, Strafrecht vom Deliktsaufbau, Öffentliches Recht von Zulässigkeit und Begründetheit.
  • Ohne Repetitorium (Rep) klappt es, wenn du einen Plan hast, pro Rechtsgebiet bei einem Skript bleibst, den Klausurenkurs und das Uni-Rep deiner Uni nutzt und eine AG findest.
  • Üblich sind etwa zwölf Monate Vorbereitung bis zum ersten Klausurtag. Wie du sie aufteilst, steht im Lernplan fürs Examen.

Was im Staatsexamen Jura zählt und was das fürs Lernen heißt

Im Deutschen Richtergesetz heißt der staatliche Teil des Examens staatliche Pflichtfachprüfung.2 Zuständig ist das Justizprüfungsamt deines Bundeslands, kurz JPA; dort meldest du dich auch an. Zuerst kommen die Klausuren, sechs oder sieben je nach Bundesland, jede fünf Stunden lang.3, 4 Danach folgt die mündliche Prüfung.1

Drankommen können die Kernbereiche von Zivilrecht, Strafrecht und Öffentlichem Recht, jeweils mit ihrem Prozessrecht und den europarechtlichen Bezügen, dazu die Methoden und Grundlagen des Rechts.5 In den meisten Bundesländern gibt es einen Stoffkatalog, also die Liste dessen, was drankommen kann.4 Wenn dein Bundesland einen hat, lies ihn, bevor du planst.

Im Examen löst du vor allem Fälle, und geprüft wird, ob du das Recht verstehst und anwenden kannst, nicht ob du Einzelheiten zu entlegenen Problemen auswendig weißt.4

Wann du anfängst, hängt vom Freischuss ab (offiziell Freiversuch): Fällst du durch, zählt der Versuch nicht, wenn du dich früh genug angemeldet und alle Prüfungsteile abgelegt hast.1 Bis zu welchem Semester du dich dafür melden musst, regelt dein Bundesland.1 Nimm den letzten Durchgang, der bei dir noch als Freischuss gilt, und rechne von dort zurück; dann weißt du, wann du anfangen musst.

Zahl und Aufteilung der Klausuren und die Frist für den Freischuss in deinem Bundesland stehen auf der Seite zum Staatsexamen Jura.

Tipps für das Jura-Examen: so lernst du jeden Tag

  1. Lern morgens ein Thema und löse nachmittags Fälle dazu. Das Thema arbeitest du aus deinem Skript oder Lehrbuch durch, am Nachmittag nimmst du ein oder zwei Fälle dazu aus einem Fallbuch. Schreib bei jedem Fall zuerst die Gliederung im Gutachtenstil aus dem Kopf und lies erst dann die Lösung. Jeden Fehler schreibst du in deine Fehlerliste, eine einfache Liste, und notierst den Grund dazu: Aufbau, Schwerpunkt, Zeit oder eine fehlende Definition. Üblich sind etwa fünf Stunden reine Lernzeit an einem Lerntag; ein Klausurtag zählt nicht als Lerntag. Am Abend weißt du, ob du das Thema anwenden kannst und nicht nur aufsagen.
  2. Wiederhol jeden Lerntag 20 bis 30 Minuten Karteikarten, bevor du mit neuem Stoff anfängst. Auf die Karten kommen Definitionen, Prüfungsschemata und Streitstände, nie das, was du in der Klausur im Gesetz nachlesen kannst. Sag die Antwort aus dem Kopf, bevor du die Karte umdrehst. In einer Studie mit Sachtexten lag fünf Minuten nach dem Lernen noch das erneute Lesen vorn. Nach zwei Tagen und nach einer Woche war dagegen das Abrufen aus dem Gedächtnis deutlich besser.6 Die Definitionen, Schemata und Streitstände aus dem Skript des Tages machst du in Studyflash zu Karteikarten. So wächst ein Stapel mit dem Stoff, den du ohne Skript abrufen kannst.
  3. Lern die drei Rechtsgebiete nebeneinander und lass alte Karten weiterlaufen. In jeder Woche löst du abwechselnd Fälle aus allen drei Rechtsgebieten, statt monatelang nur eins zu machen, und die Karten von vor Wochen kommen weiter dran. Dieselbe Lernzeit, über Tage verteilt, bringt mehr als ein Block am Stück.7 In einer Studie mit Matheaufgaben schnitten gemischte Übungen eine Woche später besser ab als geblockte.8 Mit den Rechtsgebieten machst du es genauso. Studyflash holt jede Karte wieder hervor, wenn sie fällig ist. So sitzt das Zivilrecht aus dem ersten Monat auch zehn Monate später noch.

Zivilrecht, Strafrecht, Öffentliches Recht: was du wie lernst

Wer sich selbst abfragt, statt wieder zu lesen, kann das Gelernte auch auf neue Fragen besser anwenden.9 Genau darum geht es in jedem Rechtsgebiet: Fälle lösen, die du noch nicht kennst.

Zivilrecht

Denk jeden Fall von der Anspruchsgrundlage aus. Frag bei jedem Sachverhalt zuerst: Wer will was von wem woraus? Die Reihenfolge der Anspruchsgrundlagen (vertraglich, vertragsähnlich, GoA, dinglich, deliktisch, Bereicherung) lernst du als eine Schema-Karte, die Definition jedes Tatbestandsmerkmals als eigene Karte. Das Zivilprozessrecht bekommt sein eigenes Schema mit Zulässigkeit und Begründetheit. So stehen in der Klausur die Anspruchsgrundlagen nach wenigen Minuten auf dem Papier.

Strafrecht

Prüf jedes Delikt im gleichen Aufbau und lern Streitstände als Karte. Du prüfst Tatbestand (objektiv und subjektiv), Rechtswidrigkeit und Schuld, bei jedem Delikt in dieser Reihenfolge. Für jeden Streitstand legst du eine Karte an, vorne das Problem, hinten die Ansichten mit je einem Argument und dazu, welcher du folgst und warum. Namen von Autoren brauchst du dafür nicht. So stellst du einen Streit in der Klausur in ein paar Zeilen dar und entscheidest ihn, statt ihn nachzuerzählen.

Öffentliches Recht

Lern für jede Klageart Zulässigkeit und Begründetheit als Schema. Schreib das Schema jeder Klageart und der Verfassungsbeschwerde aus dem Kopf auf ein leeres Blatt und vergleich es dann mit dem Skript. Die Grundrechtsprüfung mit Schutzbereich, Eingriff und Rechtfertigung übst du genauso. Schau in der Prüfungsordnung deines Bundeslands nach, welches Landesrecht drankommen kann. Am Ende hast du pro Klageart ein Blatt, das du aus dem Kopf schreiben kannst.

Prozessrecht und Europarecht lernst du an den Fällen des jeweiligen Rechtsgebiets mit, ihre Karten kommen deshalb in den Stapel dieses Rechtsgebiets und bekommen keinen eigenen.

Klausuren im Gutachtenstil: auf Zeit, ab dem ersten Monat

  1. Schreib ab dem ersten Monat deiner Vorbereitung jede Woche eine Übungsklausur. Am einfachsten geht das im Klausurenkurs deiner Uni: Dort schreibst du jede Woche eine fünfstündige Übungsklausur und bekommst sie korrigiert zurück. In den meisten Bundesländern gibt das JPA die Aufgaben vergangener Examen samt Lösungen nach der Prüfung an die Fakultäten weiter, deshalb bekommst du im Klausurenkurs am ehesten echte Examensklausuren.4 Viele echte Examensklausuren erscheinen nach einer Sperrfrist in Ausbildungszeitschriften und Fallbüchern, weil ihre Verfasser sie dann mit Lösung veröffentlichen dürfen.4 Mit dem Klausurenkurs steht dein Klausurtag jede Woche fest.
  2. Schreib jede Übungsklausur unter Examensbedingungen. Schreib fünf Stunden am Stück, so lang wie im Examen.4 Nimm nur die Gesetzestexte, die in deinem Bundesland zugelassen sind, und markier sie nur so, wie es dort erlaubt ist. Lies diese Regeln früh; sie stehen in der Hilfsmittelliste deines JPA. Das Handy bleibt draußen. Schreib am Computer oder von Hand, so wie du auch das Examen schreibst. Lies den Sachverhalt zweimal und nimm dir etwa die erste Stunde für die Gliederung auf Papier, bevor du schreibst. Dann schreibst du im Gutachtenstil, die Schwerpunkte ausführlich, das Unproblematische kurz. Bring jede Klausur zu Ende, auch wenn ein Teil schlecht läuft. Nur so lernst du, wie weit fünf Stunden reichen.
  3. Arbeite die Korrektur und die Lösungsskizze durch. Vergleich deine Gliederung mit der Lösungsskizze und achte dabei auf Aufbau und Schwerpunkte, nicht auf die Länge. Die offiziellen Lösungshinweise sind für die Prüfer geschrieben und enthalten oft mehr, als die meisten in fünf Stunden schreiben können.4 Jeden verlorenen Punkt trägst du mit seinem Grund in die Fehlerliste ein, und vor der nächsten Klausur liest du sie noch einmal. So kostet dich derselbe Fehler nicht zweimal.
  4. Schreib sechs bis acht Wochen vor der ersten Klausur ein Probeexamen. Ein Probeexamen ist ein kompletter Durchlauf deiner Klausuren, so wie dein Bundesland sie ansetzt. Wenn deine Uni oder ein Rep eins anbietet, nimm das. Gibt es keins, stell dir selbst eines zusammen: so viele Klausuren, wie in deinem Bundesland geschrieben werden, an kurz aufeinanderfolgenden Tagen und nur solche, die du noch nicht geschrieben hast. Danach weißt du, wie sich ein ganzer Durchgang anfühlt und wo du noch Punkte verlierst.

Im letzten Monat, nach dem Probeexamen, lernst du nichts Neues mehr und schreibst höchstens eine Klausur pro Woche. In der letzten Woche gibt es weder neuen Stoff noch eine neue Klausur, nur deine Fehlerliste, die fälligen Karten und deine Schemata. Lass es in den letzten Tagen ruhig angehen und geh zur gewohnten Zeit schlafen.

Examen ohne Rep

WegWas du bekommstWas du selbst machst
Repetitorium (Rep)Stoffplan, Skripte, Übungsklausuren mit KorrekturWiederholen, Karten, Fehlerliste
Examen ohne RepKlausurenkurs und Uni-Rep deiner Uni, freie Wahl des MaterialsPlan, Skripte, Wiederholen, AG

Wenn du dich ohne Rep vorbereitest, sieht der Weg so aus:

  1. Schreib dir einen Plan über zwölf Monate. Zähl vom ersten Klausurtag deines Durchgangs zwölf Monate zurück und plan alle drei Rechtsgebiete nebeneinander, Woche für Woche. Hast du weniger Zeit, zeigt dir der Lernplan fürs Examen, wo du einsteigst. Dann weißt du jede Woche, was dran ist.
  2. Nimm pro Rechtsgebiet ein Skript oder Lehrbuch und bleib dabei. Arbeite es einmal ganz durch und wiederhol danach mit demselben Buch. Dazu kommt pro Rechtsgebiet ein Fallbuch für die Fälle am Nachmittag. Dann verlierst du keine Zeit damit, zwischen Büchern hin und her zu wechseln.
  3. Melde dich beim Klausurenkurs deiner Uni an und nutz das Uni-Rep. Das Uni-Rep ist der Examenskurs deiner eigenen Fakultät; frag im Dekanat oder bei der Fachschaft, ob deine Fakultät einen anbietet. Den Klausurenkurs schreibst du jede Woche mit, und im Uni-Rep gehst du zu den Terminen für das Rechtsgebiet, an dem du gerade sitzt.
  4. Such dir eine AG mit zwei oder drei anderen. Trefft euch einmal pro Woche: Eine Person bereitet einen Fall vor, die anderen lösen ihn laut, dann diskutiert ihr. So merkt jemand, wenn du nachlässt, und du übst das Erklären.

Die Mündliche: früh laut üben

Nach den Klausuren kommt die mündliche Prüfung: ein Prüfungsgespräch in der Gruppe, dem in manchen Bundesländern ein Vortrag vorausgeht.10 Sie macht höchstens 40 Prozent der Examensnote aus.1 Üb von Anfang an einmal pro Woche in deiner AG laut. Nach den Klausuren machst du eine kurze Pause. Etwa vier bis sechs Wochen vor dem Monat, in dem du deine Mündliche erwartest, triffst du dich dann mehrmals pro Woche mit deiner AG, ohne auf die Einladung zu warten. Wie das im Einzelnen geht, liest du im Beitrag über die mündliche Prüfung.

Examensvorbereitung mit Studyflash

Leg für Zivilrecht, Strafrecht und Öffentliches Recht je einen Studyflash-Kurs an und trag bei jedem deinen ersten Klausurtag als Prüfungsdatum ein. Der Lernplan deines Studyflash-Kurses schlägt dir eine Reihenfolge deiner Themen bis zum Examen vor und zählt die Tage herunter.

Für die täglichen Karten lädst du das Skript des Tages, deine Mitschriften oder Notizen aus der AG hoch, auch als Foto. Daraus werden deine Karteikarten und ein Quiz pro Thema, und Studyflash schlägt dir vor, wie viele neue Karten pro Tag bei den verbleibenden Tagen passen.

Wenn du bei einem Streitstand hängst, erklärt ihn dir Max, der KI-Tutor von Studyflash, aus deinem eigenen Skript noch einmal anders.

Mit Premium erstellst du pro Studyflash-Kurs jederzeit, nicht erst am Ende, eine Probeklausur in Studyflash aus allem, was du bis dahin hochgeladen hast. Sie übernimmt die Struktur einer Klausur, die du hochlädst, oder du stellst sie selbst ein: Zahl der Fragen, Zeit und Fragetypen.

Lad die Examensklausuren mit Lösungsskizze, die du im Klausurenkurs deiner Uni bekommst, in deinen eigenen Studyflash-Kurs hoch und übe damit. In Bayern kannst du außerdem einen Teil der früheren Examensklausuren nehmen, die der Landesstudierendenrat Rechtswissenschaft veröffentlicht, und eine Beispielaufgabe des Prüfungsamts mit Lösung.4, 11

Häufige Fragen

Ob du das Examen am Computer schreiben kannst, regelt dein Bundesland; wo es das E-Examen gibt, wählst du in der Regel bei der Anmeldung zwischen Computer und Hand.1 Schreib deine Übungsklausuren in dem Format, in dem du auch das Examen schreibst. Was in deinem Bundesland gilt, steht auf der Seite zum Staatsexamen Jura.

Du schreibst jede Woche eine fünfstündige Übungsklausur und bekommst sie korrigiert zurück, und das kann eine echte Examensklausur sein, denn in den meisten Bundesländern gibt das Justizprüfungsamt (JPA) die Aufgaben vergangener Examen an die Fakultäten weiter.4 Ohne Repetitorium ist das deine feste Klausur und deine Korrektur der Woche. Die meisten JPAs stellen kein Archiv ins Netz, deshalb kommst du an die Originale am ehesten über den Klausurenkurs.4

Ja, bei einigen Dingen: KI kann dir einen Streitstand oder eine Definition anders erklären und dich zu deinen eigenen Skripten abfragen. Sie kann sich aber in Details irren und kennt die aktuelle Rechtsprechung nicht zuverlässig, deshalb prüfst du alles an Gesetz, Skript oder Lehrbuch nach. Das Schreiben und Korrigieren von Klausuren ersetzt sie nicht. Termine und Prüfungsregeln erfährst du von deinem Justizprüfungsamt, nicht von einer KI.

Ja, Thema für Thema: Pro Rechtsgebiet legst du einen Studyflash-Kurs mit deinem ersten Klausurtag als Prüfungsdatum an, und sein Lernplan schlägt dir vor, in welcher Reihenfolge du deine Themen lernst, und zählt die Tage bis dahin herunter. Aus deinen Skripten macht Studyflash ein Quiz pro Thema und Karteikarten mit Definitionen, Schemata und Streitständen, die wiederkommen, wenn sie fällig sind. Wie du die Woche auf die drei Rechtsgebiete und den Klausurenkurs verteilst, zeigt dir der Lernplan fürs Examen.

Quellen

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